Projekte und Forschungen

Leuchter und Licht im mittelalterlichen Kirchenraum
Sakralleuchter dienten keineswegs ausschließlich der praktischen Beleuchtung des Kirchenraumes. Vielmehr erfüllten sie darüber weit hinausgehende Aufgaben im Rahmen mittelalterlicher Frömmigkeit und des mittelalterlichen Sozialwesens. So waren sie häufig eng mit Devotion – im Sinne von individueller innerer Einkehr und von Gebet –, mit der Liturgie sowie mit der Repräsentation ihrer Schenker verbunden. Das von ihnen ausgehende Licht definierte darüber hinaus Lichträume, die sich durch eine besondere Atmosphäre auszeichneten und in Relation zu der von ihnen beleuchteten Sakralausstattung standen. Schließlich gilt es der Frage nachzugehen, wie die teils äußerst aufwändigen Lichtinszenierungen mittelalterlicher Sakralräume organisiert und finanziert wurden.

Mehrflammige Bronzelampen des Hoch- und Spätmittelalters im rituellen Kontext (Projektvorbereitung am Max-Weber-Kolleg der Universität zu Erfurt)
Wenngleich Lichtgerät essentieller Bestandteil jüdischen wie christlichen Rituals des Mittelalters war, ist es doch bis heute in weiten Teilen Forschungsdesiderat. Das Projektvorhaben wendet sich dem kaum bekannten Beispiel der mehrflammigen Bronzelampen des Hoch- und Spätmittelalters zu, von denen sich ein herausragendes Exemplar im Dom zu Erfurt erhalten hat. Es wird untersucht, in welchem Verhältnis Typologie, Genese und Funktion dieser materiell wie bildlich überlieferten Lampen zu Ritualen von Juden und Christen ihrer Zeit standen.

Der Siebenarmige Leuchter (1596) in der Petrikirche zu Riga
(Kunsthistorisches Institut der Akademie der Wissenschaften zu Riga/Böckler-Mare-Balticum-Stiftung)
Der dem Rigaer Stadtgießer Hans Meyer zugeschriebene monumentale Bronzeleuchter war im Zweiten Weltkrieg nach Polen gelangt und ist von dort im Jahr 2012 nach Lettland zurückgekehrt. Im Auftrag des Kunsthistorischen Instituts zu Riga sollen neben der Zuschreibung an Hans Meyer die Entstehungsumstände des Leuchters sowie seine ursprüngliche Platzierung und Funktion untersucht werden. Abschließend soll er in die Überlieferungstradition der Siebenarmigen Leuchter des christlichen Sakralraums eingeordnet werden, was mit einer ikonographischen Analyse des Exemplars in Riga einhergehen wird. Nachdem mit freundlicher Unterstützung der Böckler-Mare-Balticum-Stiftung der Leuchter vor Ort untersucht und Recherchen in Archiven und Museen vor Ort durchgeführt worden sind, sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden.

Leinenstickereien aus norddeutschen Frauenkonventen am Beispiel von Kloster Preetz
Ziel ist es, anhand norddeutscher Leinenstickereien das dichte personal-ideelle Netzwerk profan-sakraler Lebenswelten des Spätmittelalters zu untersuchen. Die aus Kloster Preetz erhaltenen Leinenstickereien zeichnen sich durch eine teils zuvor außerklösterliche Herstellung und Erstverwendung, durch die Intentionen externer Schenker, mit denen sie verbunden in den Konvent gelangten, ebenso wie durch ihre Darstellungen aus, die durch ein Ineinandergreifen von Sakralem und Profanem charkaterisiert sind und biblische Szenen und Heiligendarstellungen einerseits sowie Minneszenen, Ornamente, Tiere und Wappen andererseits umfassen.

Mittelalterrezeption im Eisenkunstguss des 19. Jahrhunderts
Die im Eisenkunstguss zitierte mittelalterliche, in der Regel sakrale Kunst wurde im Rahmen einer teils radikalen Neukontextualisiet urung vor allem für die bürgerlich-profane Welt der Zeit nutzbar gemacht. Durch die Funktionsvielfalt der aus der Mittelalterrezeption hervorgegangenen, gusseisernen Objekte wurde sie für äußerst unterschiedliche Zwecke herangezogen und erfuhr hierbei eine von ihrer urpsrünglichen Intention stark differente Bedeutungsaufladung. Ziel ist es, die verschiedenen Facetten dieser Neukontextualisierung zu untersuchen.

Kontakt

Dr. Vera Henkelmann
Kunsthistorikerin

Am Riffersbach 42
52249 Eschweiler

eMail: postvhac@web.de


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